Clomifen

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elisabethantonia
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Clomifen

Beitrag von elisabethantonia » 02.07.19, 13:31

Sehr geehrter Herr Dr. Fischer,

bei mir ist eine Follikelreifungsstörung diagnostiziert worden, weil ich praktisch seit meinem 20. Lebensjahr keinen normalen Zyklus habe (nie eine Blutung, nur eine artifizielle unter der zeitweisen Anwendung der Pille). Ein PCO wurde ausgeschlossen, ich bin schlank und ansonsten gesund. Ich hatte wohl einmal einen Eisprung in den letzten Jahren, wodurch mein 2-jähriger Sohn - damals war ich 35- entstanden ist. Aus diesem Grund bin ich an ein Kinderwunschzentrum geschickt worden, weil meine Gynäkologin nur einen Zyklus Clomifen machen wollte.
Im Zentrum wurde mir mehrfach gesagt, dass ich eine gute ovarielle Reserve hätte, auch mein AMH ist sehr gut. Bei meinem Mann ist auch alles in Ordnung.
Jetzt habe ich gerade meinen zweiten Zyklus mit Clomifen (50mg) hinter mir und leider wieder einen negativen Test. (Ausgelöst wurde mit brevactid)

Ich bin natürlich traurig und frage mich, ob es erfolgsversprechend ist, noch weitere Zyklen zu machen.
Oder ist meine Erwartungshaltung nicht richtig? Ich bin irgendwie schon davon ausgegangen, dass die Behandlung recht schnell erfolgreich verläuft.

Vielen Dank für Ihre Antwort und Hilfe.

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Clomifen

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 02.07.19, 13:53

Guten Tag,
man sollte schon die sechs möglichen Clomifenzyklen " durchziehen", sinnvoll aber nur dann, wenn sprungreife Follikel sichtbar sind. Ich nehme aber stark an, dass dies ja bei Ihnen vorliegt, sonst hätte man nicht mit HCG ausgelöst. In der Tat sind Ihre Erwartungen leider viel zu hoch. Pro Zyklus liegt die Schwangerschaftrate etwa bei 20 %, insgesamt aber nur maximal bis 50 % ( in 6 Zyklen). Da nützt auch eine Dosiserhöhung auf 100 mg nichts, erhöht wird sowieso nur dann, wenn unter 50 mg keine Eisprünge bzw. schlechte Follikelreifung erfolgt. Temperaturmessung ist immer bei Kinderwunsch angebracht, Abklärung aller relevanten Hormone( auch Prolaktin und Schilddrüse).Nach sechs erfolglosen Versuchen wird auf HMG-Spritzen umgestellt.
Sie können meine zahlreichen Beiträge hier nachlesen, es dürften einige 100 sein, die ich über Clomifentherapie verfasste.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

elisabethantonia
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Re: Clomifen

Beitrag von elisabethantonia » 03.07.19, 12:15

Sehr geehrter Herr Dr. Fischer,

herzlichen Dank für die wie immer ausgezeichnete Antwort.

Prolactin und Schilddrüse sind ok.
Welchen Vorteil haben denn Gonadotropine im Vergleich zu Clomifen, wenn man unter Clomifen einen Eisprung hat?

Ich werde mich durch Ihre zahlreichen Beiträge lesen.

Vielen Dank für Ihre Mühe

Mit freundlichen Grüßen

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Clomifen

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 03.07.19, 15:57

Guten Tag,
Clomifen ist eigentlich ein Antiöstrogen, was für den Laien zunächst unverständlich ist, wenn man dazu greift. Es verhindert die normale Reaktion der hypothalamisch-hypophysären Achse auf die tatsächlich zirkulierende Östrogene. Durch die Simulation niedriger Östrogenspiegel im BLut erhöht sich die wichtige Ausschüttung von GnRH, sodass nunmehr vermehrt FSH und LH im Gehirn gebildet wird.
Wenn man unter Clomifen Eisprünge hat, macht es zunächst keinen Sinn, HMG-Präparate ( diese enthalten eben das FSH) zu spritzen. Dennoch stellt man nach 6 frustranen Zyklen auf diese Spritzen um in der Hoffnung, noch eine bessere und direkte Ansprechrate zu erzielen. Umgang mit HMG- Spritzen erfordern eine große Erfahrung und engmaschige Ultraschallkontrollen, da sie nicht ungefährlich sind- vor allem in Hinblick auf eine mögliche Überstimulierung mit der Folge, dass sich enorm viele Follikel in den stark vergrößerten Ovarien bilden können ( meist bei Überdosierung).
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

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