Hausarzt kann keine Fäden ziehen ???

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Ella100
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Hausarzt kann keine Fäden ziehen ???

Beitrag von Ella100 » 29.04.19, 08:40

Hallo zusammen,
ich bin gerade ziemlich perplex. Letzte Woche hatte ich im KH eine Muskelbiopsie und lt. Arztbrief sollen in ca. 10 Tagen die Fäden (5 Stiche) vom HA gezogen werden. Beim Termin vereinbaren heute, wurde mir gesagt, dass
der HA (ein Internist) weder die Wunde kontrolliert, noch die Fäden zieht, da er keinerlei Verbandsmaterial in der Praxis hat. Bin ich im falschen Film ? Wenn der HA nicht mal für so eine "pillepalle" Behandlung zuständig ist, wofür braucht man überhaupt noch einen Hausarzt ??? Ist das tatsächlich so, dass ich dafür extra zu einem Chirurgen muss ? (selber ziehen will ich das nicht) :shock:

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Hausarzt kann keine Fäden ziehen ???

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 29.04.19, 10:03

Hallo,
unglaublich! Kein Verbandmaterial? Was macht er dann, wenn er Bereitschaftsdienst hat? 5 Nähte entfernen- da reicht dann zur Abdeckung, wenn überhaupt noch nötig, ein Pflaster. Alles beruht wohl auf der Aussage der Helferin am Telefon, vielleicht sollten Sie Ihren Arzt direkt kontaktieren.
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.

Ella100
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Re: Hausarzt kann keine Fäden ziehen ???

Beitrag von Ella100 » 29.04.19, 10:23

Hallo Herr Dr. Fischer,

Sie haben Recht, ich kann das auch kaum glauben. Ich habe bei dem HA jetzt für nächste Woche einen Termin ausgemacht und bis dahin gehe ich eben in die Apotheke und hole mir selber ein paar Pflaster, damit ich die Naht weiterhin abdecken kann. Nächste Woche werde ich ihn dann direkt fragen, ob das stimmt, was mir am Telefon gesagt wurde. Schon seltsam... :roll:

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Hausarzt kann keine Fäden ziehen ???

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 29.04.19, 12:15

Hallo,
berichten Sie dann bitte später.
Grüße Dr. Fischer
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Ella100
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Re: Hausarzt kann keine Fäden ziehen ???

Beitrag von Ella100 » 29.04.19, 15:29

mache ich...wenn das tatsächlich stimmt, verliere ich langsam den Glauben...

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Hausarzt kann keine Fäden ziehen ???

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 29.04.19, 16:11

Hallo,
lieber dann sich -falls möglich- einen anderen Hausarzt suchen.
Grüße Dr. Fischer
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Muppet
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Re: Hausarzt kann keine Fäden ziehen ???

Beitrag von Muppet » 30.04.19, 06:53

Hallo
Ich kenne es, das es ein Hausarzt sich weigert, allerdings handelte es sich um eine 15cm neurochirurgische Narbe und er wollte einfach, dass der Chirurg das anschaut.

Kein Verbandszeug ist Schwachsinn. Wie nimmt er dann Blut ab?

Gruß
Muppet

Ella100
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Re: Hausarzt kann keine Fäden ziehen ???

Beitrag von Ella100 » 30.04.19, 11:39

wenn die Begründung gewesen wäre, dass sich die Naht der Operateur lieber anschauen sollte, hätte ich es ja noch verstanden. Aber erstens ist die Naht nur ca. max. 6 cm lang und das Krankenhaus - wo die OP war - ist auch nicht gerade um die Ecke. Aber mir wurde wörtlich gesagt: "wir machen hier keinerlei Wundversorgung oder ziehen Fäden. Wir haben auch kein Verbandsmaterial hier" (...) Kommenden Dienstag habe ich einen Termin dort und dann werde ich den Arzt direkt fragen, ob das wahr ist und wenn er mir die Fäden nicht zieht, mache ich es selber (am besten in seinem Wartezimmer :lachen: ). Fortsetzung folgt.

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Re: Hausarzt kann keine Fäden ziehen ???

Beitrag von Ella100 » 07.05.19, 18:45

so...jetzt habe ich mit dem Chef (Arzt) direkt gesprochen. Es ist wohl so, wie er mir erklärt hat, daß typischerweise die Hausärzte oft die Nachbehandlung für die Chirurgen machen sollen, was wohl ziemlich undankbar ist (vermutlich finanziell...) Aber er meinte auch, in meinem Fall wäre da wohl etwas überreagiert worden und er hätte natürlich die Fäden gezogen. Allerdings gibt es wohl tatsächlich nicht wirklich viel Verbandsmatererial in der Praxis, von Pflastern u.ä. abgesehen :shock: Etwas kurios ist das ganze ja schon...Da ich aber ansonsten mit der Praxis sehr zufrieden bin, will ich das ganze auch nicht überbewerten. Die Zeiten ändern sich.. :|

Euphemia
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Re: Hausarzt kann keine Fäden ziehen ???

Beitrag von Euphemia » 07.05.19, 20:54

Vielen Dank für die Rückmeldung. Auch mich hatte der Fortgang hierbei interessiert.

Ella100 hat geschrieben: Die Zeiten ändern sich.. :|
Ja, so muss man das wohl einordnen.
"Wer sich nur tragen lässt, lernt weder laufen noch tragen." (Kyrilla Spiecker)

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Hausarzt kann keine Fäden ziehen ???

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 08.05.19, 07:32

Hallo,
" (vermutlich finanziell...) "-nicht nur " vermutlich", die ganze Nachbehandlung und alles, was sonst noch im Quartal anfällt, ist mit der Quartalspauschale abgegolten.
Grüße Dr. Fischer
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Re: Hausarzt kann keine Fäden ziehen ???

Beitrag von Ella100 » 08.05.19, 12:16

...das System mit den sogenannten Pauschalen halte ich auch für einen schlechten Witz. Man wird als Mensch behandelt wie ein Auto...Bremse einbauen:..€ etc. Wer denkt sich so einen Blödsinn aus ? Aber was macht man als chronisch Kranker ? Gilt da ebenfalls die Pauschale ? Mit einer unheilbaren - sich weiterentwickelnden - Krankheit ist man dann doch der Mops, oder ? :roll:

Dr.med.Holger Fischer
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Re: Hausarzt kann keine Fäden ziehen ???

Beitrag von Dr.med.Holger Fischer » 08.05.19, 13:25

Hallo ella,
ja, da ist man als chronisch Kranker schlecht dran. Ausgedacht haben sich dies nicht die Ärzte. Diese Art Pauschale führt eben leider dazu, dass sich bei mehmaligem Besuch eine Behandlung nicht mehr rechnet, man sogar daufzahlt als Arzt. Immerhin kosten die weiteren UNtersuchungen Zeit und Geld. Darunter leidet natürlich die Qualität der Betreuung, die Versorgung mit Medikamenten und nötige Untersuchungen-das alles ist abgegolten. Leider führt es dazu, dass viele Ärzte dann nötige Maßnahmen nicht mit der dafür erforderlichen Gründlichkeit und Sorgfalt durchführen. Oftmals hat dann der finanzielle Aspekt Vorrang vor dem moralisch/ ethischen Aspekt. Im Forum Gesundheitspolitik wird seit Jahren sehr kompetent und wirklich fachmännisch von Kollegen darüber informiert und reger Austausch erfolgt.
Es gibt zwar sogenannte Chronikerprogramme der Krankenkassen ( DMP), aber der Aufwand und die entsprechende Mehrvergütung reicht nicht aus. Ausserdem umfassen diese Programme nur einen beschränkten Teil der chronischen Erkrankungen.
Grüße Dr. Fischer
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Re: Hausarzt kann keine Fäden ziehen ???

Beitrag von Ella100 » 08.05.19, 16:31

:ironie: Na, das baut mich ja echt auf . Da kann ich nur hoffen, daß sich da bald wieder was in der Politik ändert. Das ist wirklich traurig, wie die Situation momentan ist. :twisted: argghhh...OHMMM...ich darf und soll mich nicht aufregen ! Ich wünsche nur jedem dafür Verantwortlichem, daß er (bzw. einem seiner Angehörigen - da die VIP's ja eh eine Sonderbehandlung bekommen) mal in eine Lage gerät, wo er merkt , daß das so nicht funktioniert. Ich war sogar schon öfters bei Ärzten als Selbstzahlerin um eine möglichst gute Betreuung zu bekommen. Aber mit einer chronischen Krankheit ist man da auch bald am finanziellen Limit.

dora
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Re: Hausarzt kann keine Fäden ziehen ???

Beitrag von dora » 09.05.19, 21:33

hallo Hr. Dr. Fischer,

ich bin chronisch krank, bin beim Schmerztherapeuten und kann nur sagen dass ich dort bestens behandelt werde. Muss mehrmals im Quartal hin, habe nie das Gefühl unerwünscht zu sein. In der Praxis schein da noch einiges gut zu funktionieren.

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